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AWO Unterbezirk Hagen - Märkischer Kreis | Termin Detail

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4. Juni: 150. Geburtstag von Lore Agnes

Lore Agnes (geb. Benning) stammte aus einer Bergarbeiterfamilie und besuchte die Volksschule in Bochum. Nach dem Tod des Vaters arbeitete sie seit 1889 als Dienstmädchen. 1905 übersiedelte sie mit ihrem zweiten Ehemann, dem sozialdemokratischen Journalisten Peter Agnes, nach Düsseldorf.

Sie beteiligte sich führend an der Gründung des „Verbandes der Hausangestellten“ und setzte sich für die Verbesserung der desolaten Lage dieser Gruppe ein. Als Frauen in Preußen die Mitgliedschaft in politischen Parteien erlaubt wurde, trat Agnes 1908 der SPD bei und engagierte sich in der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Seit 1911 gehörte sie dem Vorstand der Düsseldorfer SPD an. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete Agnes innerhalb des linken Parteiflügels der SPD eng mit Clara Zetkin zusammen, die neben Rosa Luxemburg ihr politisches Vorbild war. Als Pazifistin war sie während des Ersten Weltkriegs entschiedene Kriegsgegnerin, wurde nach einer Ansprache auf einer Friedenskundgebung 1914 inhaftiert und nach ihrer Haftentlassung 1915 mit Redeverbot belegt. Sie trat 1917 zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) über. Im Januar 1919 wurde Agnes für die USPD in die Verfassunggebende Nationalversammlung gewählt und gehörte bis 1933 durchgehend dem Reichstag an, seit 1922 wieder für die SPD. Als Reichstagsabgeordnete engagierte sie sich in den Bereichen Sozialpolitik und Jugendfürsorge und forderte einen Ausbau der Jugendfürsorge, weil viele Eltern aufgrund des kapitalistischen Wirtschaftssystems nicht mehr in der Lage seien, ihre Kinder hinreichend zu erziehen. Gleichzeitig forderte sie die Aufnahme einer Bestimmung in die Weimarer Reichsverfassung, nach der Eltern ihre Kinder nicht mehr aus politisch oder religiös motivierten Gründen entzogen und in ein Heim gesteckt werden dürften. 1919 war sie an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt in Berlin beteiligt; auch die Gründung der AWO im Raum Düsseldorf geht auf ihre Initiative zurück.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1933 wurde sie als eines der ersten Mitglieder der SPD-Reichstagsfraktion in „Schutzhaft“ genommen; am 23. März 1933 votierte sie gegen das Ermächtigungsgesetz. Ihr Alltag im Nationalsozialismus war durch Gestapo-Überwachung, wiederholte Hausdurchsuchungen und Verhaftungen geprägt. Nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde Agnes im Rahmen der „Aktion Gewitter“ inhaftiert, einer im August 1944 angeordneten Verlegung in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück entging sie durch ein ärztliches Gutachten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte Agnes mit ihrem Erfahrungswissen den Wiederaufbau der Arbeiterwohlfahrt in Düsseldorf. Sie starb am 9. Juni 1953. Ihr zu Ehren sind AWO-Häuser in Essen und Düsseldorf-Wersten und eine AWO-Kita in Radevormwald benannt.

Lore Agnes (links) mit v.l.n.r. Clara Zetkin und Mathilde Wurm beim Verlassen des Reichstags, Berlin, 1920, Quelle: Bundesarchiv, BildY 10-115-105-85, Fotograf(in): unbekannt
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