Anlässlich der Ministerpräsidentenkonferenz am letzten Donnerstag hat die AWO neue Berechnungen zu den Folgekosten von Sozialkürzungen vorgelegt. Mögliche Einschränkungen von Leistungen der Jugendhilfe, die auf der Tagesordnung der Länderchefs stehen, gefährden laut AWO-Bundesverband erhebliche finanzielle und gesellschaftliche Mehrwerte.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind eindeutig: Die rein finanziellen Mehrwerte übersteigen die Kosten kurz- oder mittelfristig, zum Beispiel bei der Nachbetreuung für junge Erwachsene, die aus den Regelstrukturen der Jugendhilfe ausscheiden, nach gut 2 Jahren. Die Hilfen zur Erziehung für unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer “rechnen” sich nach 5,5 Jahren.
Hinzu kommen weitere gesellschaftliche Mehrwerte. Dazu erklärt AWO-Bundesvorstand Dr. Marvin Deversi: „Der finanzielle Druck in den Kommunen ist eine Realität, die wir sehr ernst nehmen. Doch wenn nun über die Kürzung sozialer Leistungen diskutiert wird, müssen die Folgekosten dieser Einschnitte berücksichtigt werden. Unsere Berechnungen zeigen klar, dass die Kinder- und Jugendhilfe sich allein finanziell ‚rechnet‘ – die getätigten Investitionen sorgen dafür, dass die Ausgaben sich schnell amortisieren. Dieser Nutzen muss berücksichtigt werden, wenn man Leistungen aus Einspargründen streicht. Wir fordern eine konsequente Folgekostenberechnung für alle Leistungen – und tragen gerne selbst dazu bei, wie unsere Analyse zeigt.“
Neben dem volkswirtschaftlichen Argument macht die AWO auch auf die Folgen der Kürzungen für die Zielgruppen aufmerksam. „Natürlich muss neben einer Untersuchung der Folgekosten auch die Frage gestellt werden: Was heißt die Kürzung von Leistungen für diese jungen Menschen? Eine Reform, die sich nur dafür interessiert, wo der Staat vermeintlich sparen kann, ist keine. Sozialreformen müssen sich immer daran ausrichten, wie das Leben der jungen Menschen besser werden kann."